Der KlingensängerOrden

Vor genau 140 Jahren rastete eine Gruppe Pilger des St. Cuthbert an einem Wegschrein in Valanth. Es war der Hohe Kleriker Igmar Agonius, in Begleitung der göttlichen Streiterin Calista Roval und einer Handvoll Brüder und Schwestern.

Agonius, der aus gutem Hause stammte und das lasterhafte Leben eines reichen Kaufmanns-Sohnes in Valanth führte, sah vor 12 Jahren bei einer Fuchsjagd ein Zeichen des Himmels: der Stern des St. Cuthbert ging hernieder, die Himmel verfinsterten sich. Sein Pferd geriet daraufhin ins Straucheln, Agonius stürzte. Er war vom Weg abgekommen, den die Jagdgesellschaft hatte sein Fehlen und folglich seinen Unfall nicht bemerkt. Er war allein. Seine unheiligen Flüche, die er über sein Unglück ausstieß wurden jäh durch einen Blitz, gefolgt von mächtigem Donner unterbrochen. Die Himmel waren aufgewühlt und schoben eine düstere Sturmfront vor sich her. Wind kam auf, die ersten Regentropfen setzten ein. Finsternis breitete sich aus. Dennoch war der Himmel an einer Stelle hell erleuchtet: St. Cuthberts Stern strahlte weithin sichtbar. Flammen umzückten seine Gestalt und ihm folgte ein langer Schweif.

Agonius Neugier war geweckt: war dies ein Bote der Götter, denen er so wenig Glauben schenkte (schließlich waren seine einzigen Götter Wein, Weib und Gold). Aus Geschichten seiner Amme wußte er, daß St. Cuthbert eine flammende Lanze schicken würde, um seine Feinde zu verbrennen. Vom Himmel herab würde ein mächtiger Krieger herabsteigen, und er würde einen der Menschen erwählen, sein Werkzeug zu sein, sein Schwertarm. Und auf die drängende Frage des jungen Agonius nach einer göttlichen Gabe hin, beschwor ihn die Amme der Krieger würde dem Menschen eine mächtige Waffe überreichen. Keine gewöhnliche Waffe. Eine heilige Waffe, von St. Cuthbert geschaffen um das Böse aus der Welt zu tilgen.

Damals gab es Kriege gegen Orkscharen aus dem Norden, und auch Valanth blieb nicht vor den Übergriffen der Schwarzpelze verschont.

Konnten also die Geschichten der Amme am Ende wahr sein? Agonius folgte dem Licht des niedergehenden Sternes, dessen Flammenspur das Gewölk zerteilte. Während ihm heftiger Regen ins Gesicht peitschte und der Donnergroll in seinen Ohren schmerzte, erreichte er eine Anhöhe, auf dem ein halbverfallener Schrein stand. Es war ein Schrein des St. Cuthbert. Dort stand, auf einem steinernen Podest, eine Kriegerin, Schwert und Schild zum Kampf erhoben, ihr Gesicht jedoch zu Boden gesenkt.

Ein Blitz verließ der Statue ein goldenes Antlitz, der Stern schwebte über ihrem Kopf, ein flammensprühendes Auge des Zornes. Agonius schrie auf, seine Augen brannten, und dann sah er es: die tanzenden Schattenlichter wandelten sich zu Pferden auf denen Reiter saßen. Der vorderste von ihnen schien St. Cutbert selbst zu sein. Er hörte deutlich ihr Kriegsgebrüll, das Rasseln ihrer leuchtenden Rüstungen, das Donnern der Pferdehufe und überall war Licht und Feuer. Ein Blitz schlug in die Statue und sprengte sie auseinander. Doch das Schwert, welches sie in der Hand hielt, flog durch die Luft und landete vor Agonius Füßen, wo es sich tief in die Erde grub. Und dann hörte er die Stimme:

„Agonius, höre meine Worte – suche tapfere Männer und Frauen, deren Arm so stark ist wie ihr Glauben. Baut mir einen Tempel, denn darin sollt ihr meinen Schlachtruf hören. Ihr seit mein stählerner Arm der Rache, zu löschen das Feuer des Feindes, das diese Welt verzehrt. So will ich euch eine Waffe geben, die sie selbst verzehrt! Folge dem Pfad des Lichtes, den ich euch sandte. Siehe die Macht und Glaube. Wirf dein Schwert hinfort und höre die Gesänge, die zu meinem heiligen Krieg rufen. Dort wirst du die Macht finden, die meine Feinde verzehren wird. Nimm sie und nutze sie, wenn ich es befehle.
Dann wirst du in deine Stadt gehen deine Stadt gehen und ein Mädchen suchen. Calista ist ihr Name. Sie ist auserwählt meine heilige Kriegerin zu sein und würdig, das verzehrende Feuer gegen meine Feinde zu schleudern! Höre: nur wer auserwählt ist, kann dem Verzehrer widerstehen! Missachtet ihr dieses Gebot, kommt Unheil über die Frevler, auch wenn sie meine Diener sind“.

Ich weiß, was du gerade denkst: wie sollst du mein Arm der Rache sein, wenn dein Fleisch selbst von der Macht, die ich euch gab, verzehrt wird? Ich werde dir sagen, was du tun kannst…

(dieser Teil der Legende wurde nicht aufgezeichnet).

Darauf folgte eine Erschütterung der großen Mutter. Agonius wagte es lange Zeit nicht aufzustehen. Er wußte nicht ob Minuten oder Stunden vergangen waren. Als er sich dann doch aufrappelte, war das Unwetter verschwunden und gaben den Blick auf einen klaren Sternenhimmel frei. Vom Hügel aus konnte er unweit ein großes Leuchten erkennen, dort, wo einmal ein kleiner Hain lag. Er ging dorthin und fand statt der Bäume nur eine riesige Grube im Boden auf, wo zuvor keine war. Er fragte sich, wer in so rascher Zeit dieses Loch, daß so groß war wie das Dorf aus dem er stammte, gegraben und noch dazu einen Erdwall errichtet hatte.

In seinen Ohren erklang Glockengeläut und lieblicher Gesang, ganz so, wie die Stimme St. Cuthberts es gesagt hatte. Dieser nahm zu, je näher er sich dem Zentrum der Grube näherte. Dort war die Quelle des Lichtes. Rauch stieg über einem kochenden See auf. Hierher geleiteten ihn die Stimmen. Er gürtete sein Schwert, ein kostbares Erbstück seines Vaters, ab und warf es im hohen Bogen in den Rauch. Es tauchte in den See unter. Erneut spürte er die Macht des Gottes, als zischelnder Funkenschalg einsetzte, eine Flammenlanze emporstieg und das Schwert emporschleuderte. Es kreiste vor den Augen Agonius, wobei es nun in allen Farben erstrahlte und dabei sang. Plötzlich spüre er, wie seine Hände begannen zu dampfen. Angst packte ihn und er rannte von dannen.

Als er die Tore der Stadt erreichte, war er fast völlig ohne Kleidung. Sein Haar war weiß und von wildem Wuchs. Auch aus seinen Augen war jegliche Farbe gewichen, sein Blick war starr wie der eines Blinden, doch war er sehend. Das erstaunlichste jedoch war, daß ihn ein unheimliches Leuchten umgab…

Was dann geschah:
Agonius fand das Mädchen, denn er kannte es bereits, da es aus dem gleichen Ort stammte. Er offenbarte sich ihr und sie folgte ihm so gleich. Der dritte im Bunde war ein Alchemist und ein zwergischer Schmied. Gemeinsam gingen sie aus der Stadt, zu der Stelle, an der der Wegschrein stand. Dort errichteten sie einen kleinen Tempel. Dann erst bargen sie den Verzehrer und betteten ihn in einem Schrein, den der Alchemist und der Zwergenschmied entwarfen und in 3 Monden bauten.

Der Orden vom Klingensang war geboren. Immer neue Mitglieder schlossen sich an. Sie unterwarfen sich dem strengen Codex, der zu ihrem eigenen Schutze nötig war. Und es ist überliefert, daß St. Cuthbert alsbald zur Schlacht rief. Die Agoniter zogen aus und trugen die Waffe in die Schlacht, wo sie Calista Roval führte. Jedoch erlitten die Agoniter schwere Verluste, da sie die Mächtigkeit der Waffe wohl überschätzten. Dennoch verfehlte sie ihre Wirkung nicht: die Wunden, die sie schlug schienen nicht oder nur schwer zu heilen.

Doch dann, in der zweiten Schlacht, fiel Calista Roval, da sie erblindet war. Die Waffe fiel zu Boden und Agonius setzte sich über das Gebot des Gottes hinweg und griff selbst danach, um sie gegen die Feinde zu schleudern. Er hielt blutiges Gericht, jedoch nicht ohne die Konsequenz zu tragen. Er war kein Erwählter, so beendete schließlich ein langes, leidvolles Siechtum sein Leben…

Der KlingensängerOrden

Pageria Germon